Dialoge mit dem Kleenen

„Zuerst hat Jesus Geburtstag, dann Leoni und dann ich… Stimmt´s Mama?“, fragt mich der Kleine an einem der beschaulichen Sonntagsnachmittage im Dezember.

„Ganz genau. Wenn dieser Langhaarige Alki Wasser zu Wein Hippi…, also Jesus eben  Geburtstag hat, ist Weihnachten, und du bekommst sicherlich ne Wucht an Geschenken.“

„Toll und Jesus…, kriegt der auch was an seinem Geburtstag.“

„Ich glaub eher nicht. Er ist ja schon ne Weile nicht mehr hier, also bei uns, inmitten der Gesellschaft“, gehe ich vorsichtig vor. „Also er ist ja  da oben“, zeige ich mit dem Stinkefinger gen Weltraum.

„Er ist tot“, sagt der Kleine mit einem ausdruckslosen Blick.

„Genau, tot…. völlig richtig“, lache ich in den Adventshimmel hinaus.  „Aber weißt du die Leute denken an ihn und singen Lieder, die sicherlich bis hinauf zu seinem Schlafplatz getragen werden.“

„Hä…., verstehe ich nicht, Schlafplatz und überhaupt wie soll denn das mit den Liedern gehen?“, fragt er verwundert.

„Naja…, Jesus hat da oben ganz bestimmt ein Super Himmelbett. Da wälzt er sich nur so rum vor Weihnachtsfreude. Bestimmt gibt’s ne Kissenschlacht mit den Engeln. Obwohl ich mir die eher lahm vorstelle beim Werfen. Die kommen bestimmt nicht aus dem Knick und Jesus muss rufen…, los, los dein Wille geschehe. Und sicherlich schmeißt er sich schon vorher auf den Boden, schauspielert ein wenig um der Engel Ego zu bestätigen. Eben ein richtig bunter Haufen. Und dann….“ Ich komme ich zu den technischen Details. „Gibt es meines Wissen richtig coole  Übertragungskabel, die die Lieder ab nach oben in die andere Spähre, übertragen.“

„Ja…, habe ich auch schon mal gehört bei Wissen macht Ahhh.“

„Siehst du…, so ist das. Am besten ist du singst ab und zu mal ein richtig cooles Lied, so dass Jesus ein bisschen Abwechslung bekommt. Der kriegt sonst mit den vielen und den selben Weihnachtsliedern irgendwann nen schweren Kopf und das Kabel leidet ebenso.“

„Ja mach ich….Ich hab nen Zwiebel auf dem Kopf….ich bin ein Döner bin schöner…, ich hab ne Muschi auf dem Kopf…“

„Also…“, sage ich empört. Singe ich etwa die ganze Zeit von  deinem Pullermann. Von wem hast du das überhaupt, von deinem Rambo Zambo Freund?“

„Ist ja schon gut…, ich sings nicht mehr…. „Ich hab ne….“

„Na wirst du…. Jesus hört das gar nicht gern.“

„Woher weißt du denn das?“, fragt er verschmitzt.

„Ich bin nun mal nicht auf den Kopf gefallen. Ich kenne seine Einstellung zu Frauen. Also…., der hatte es nie einfach mit Frauen, ist ja schon von einer Jungfrau geboren worden. Oh Gott, was für Identitätskrisen dass nach sich ziehen muss. Wenn man sich das vorstellt, den Josef als Vater und wiederum nicht. Gott der angeblich leibliche Daddy  lässt sich nicht blicken…, naja. Gott sei Dank musst du dir darüber keine Gedanken machen“

„Mama, hast du was gesagt…, ich habe Hunger. Süßigkeitenhunger.“

„Nichts“, antworte ich großzügig. Sogleich mache ich mich auf den Weg und krame die selbstgemachten Plätzchen aus dem Schrank. „Hier“, halte ich ihm die Dose hin. „Greif richtig rein. Nimm dir soviel du willst und am Besten du steckst alle gleichzeitig in den Mund.“

Zielstrebig geht er meiner Aufforderung nach und  schmeißt sich ca. zehn  Plätzchen ein . Ich hoffe, dass damit das Thema gegessen ist.

„Überhaupt Mama“,spricht er mit vollen Mund und einige Kekskrümel verlassen sein Kauwerk in meine Richtung. „Wie ist das eigentlich mit dem Nikolaus und dem Weihnachtsmann. Haben beide einen roten Mantel?“

Ich stehe an der Mauer. Das Weihnachtsfest bringt seine Stolpersteine mit sich. Ich werde grundlegend zum Lügen angehalten. Natürlich darf ich mich nicht verstricken, sonst ist es absolut hin mit der Glaubwürdigkeit, die Integrität untergraben. Ich versuche mein Bestes und setze an zum Vortrag Weihnachtsmäntel versus Nikolausmäntel.

Miniworks 2

Miniworks 2/ Kunstauktion im Schillerpalais in Neukölln.

Werbung in eigener Sache.  Am 1. 12 nehme ich mit einem Ölgemälde „Legless“ bei der Miniworks Auktion teil.

Also wer von den Berlinern und Nichtberlinern gern Kunst kauft, greift in die Taschen und bietet mit. Es gibt insgesamt 50 Werke.

Beginn ist der  1.12.  19.00 Uhr
Ab dem Abend werden Gebotszettel mit der Werknummer auf das zu bietende Werk, der Betrag und der Käuferkontakt auszufüllen sein. Dies gilt bei Abgabe als bindend und wird als Höchstgebot angesehen bis ein höheres Gebot für dieses Werk abgegeben wird.
Das jeweilige Höchstgebot für alle Arbeiten ist über eine Wandprojektion jederzeit einsehbar, sowie wird eine stets aktuelle Online-Version der Auktion auf der Webseite des Schillerpalais bereit gestellt. Das heisst, es können auch Email-Gebote abgesendet werden.

Während/Nach dem Aufbau wird es eine kleine Eröffnungsrede geben und die Bar eröffnet (Kühle Getränke / Glühwein + heisser Eintopf und Muffins)
Danach gibt es Live-Musik von KiSeki gegen 20:30-21:00 Uhr

Die Finissage findet am Freitag, 16.12. statt. Bis 20:00 Uhr an diesem Tag können vor Ort und online Gebote abgegeben werden. Danach stehen die endgültigen Höchstgebote fest, die versteigerten Arbeiten, können von den Käufern direkt mitgenommen werden. Die Bezahlung der Käufer erfolgt in der Regel in bar.

Veranstaltungsort:

Schillerpalais e.V.

Kunst- und Aktionsraum
Schillerpromenade 4
12049 Berlin
Tel: 030- 62 72 46 70/ -71/ -73
Fax: 030- 62 72 46 74
http://www.schillerpalais.de

Schlaubetal

Schlaubetal. Ein Rinnsaal, grün, moosrig, pilzbewachsen, umgeben, es fließt, im Grünen, Braunen. Frösche springen munter durchs Gebüsch. Vögel, nicht viele. Stille umgibt den Wald, Vögel suchen nach Geselligkeit, Kiefer dunkel, gepfercht in einer Insel, Hexe Murre sucht ihren Platz. Das Häuschen nicht zu sehen, beim Vorübergehen. Mühlen klappern am Wegesrand, unsichtbar winkt die Geisterhand. Hier entlang, lockt sie, unentwegt geht es gerade aus, vorbei an Bäumen deren Geäst in den Himmel ragt, den Sonnenstrahlen den Weg zum Boden versagt.

Jugend heute

Die Jugend von heute. Die Alten und die die gerade mal jung waren, ziehen über die pubertierende Jugend her, stellen sie in Frage und kennen nichts als Schimpf und Schande. Ist es wirklich so? Sind die 13 bis 17 jährigen, passiv, destruktiv, ohne Willen zur Kommunikation und Teilnahme an der Gesellschaft. Ein Bestandstest.

Justin hat die erste Seite eines Abenteuerromans aufgeschlagen. Sein Gesicht…, Stirnrunzeln und eine hängenden Unterlippe. Fast sieht es so aus, als ob er zum Lesen der ersten Seite gezwungen wurde. Jedoch empfindet er zunehmend Gefallen an der Geschichte. Er lächelt und begleitet einen Satz, der wahrlich eine Aha Reaktion in ihm auslöst, mit einem Handschlag zentral zur Stirn. Dank dessen, die Runzeln verschwinden. Ja, Justin ist regelrecht begeistert. Die Geschichte, der Aufbau und die Rhytmik machen ihn zu einem Fan „Ich kann schon lesen.“ Lehrer, Autoren, hätten ihre wahre Freude an ihm. Die Emotion und das unabdingbare Festhalten am Wort, machen ihn zum Helden des Tages. Doch nach solch atemberaubender Achterbahnfahrt durch Wort, Gedankenstrich und Punkt, entscheidet Justin sich schweren Herzens eine Limo aus dem Kühlschrank zu holen. Morgen, so beschließt er, wird er sich Seite Zwei zuwenden.

Marie und Körperhygiene.  Von langen, künstlichen Nägeln und Farbe im Gesicht hält Marie nichts. Sie steht voll und ganz auf Natürlichkeit. Das heißt ihr Äußeres ist geprägt von einer naturgegebenen Unauffälligkeit. Allmorgendlich schaut sich im Spiegel an. Kurz, ganz kurz. Dann nimmt sie den blaufarbenen Waschlappen, zwirbelt ihn dreimal im Seifenwasser und geht damit direkt unter ihre Achseln. Dort schrubbt sie von oben nach unten, von rechts nach links, bis die Poren aufgeweicht und geöffnet sind. Ein wohliges Gefühl umgibt sie. Manchmal, ganz heimlich benutzt sie anschließend, nach der Trocknung der Achselgegend, welches sie mit einem schrubberartigen Handtuch ausführt, ein Deodorant. Es gehört ihrer Mutter. Wenn die wüsste.

Thorsten unternimmt einen Spaziergang. Dabei schleudert er die Beine so richtig nach vorn. Ist das ein Vergnügen. Er dreht und wendet er seinen Kopf. Die Schaufenster laden wie der Name sagt, zum Schauen ein. Er guckt was das Zeug hält. Kaufen tut er nichts, nur staunen.   Manchmal entfleuscht ihm ein Ahh und ein Ohh. Ebenso grüßt er entgegenkommende Passanten.    Dann hilft er einer alten Frau über die Straße und lässt freiwillig seine Haartolle vom Wind verstrubbeln.

Lisa bestellt sich in der Disko ein Mineralwasser. Es prickelt leicht und bringt einen richtig auf Touren. Trinkt Lisa Mineralwasser, traut sie sich die Jungs anzuquatschen. Sie lädt sie an die Bar zu einem dopppelten Mineralwasser ein und hat damit gleich ein Gesprächsthema: Mineralwasser.  Die Jungs sind hellauf begeistert, und möchten Lisa näher kennen lernen. Meist verabreden sie sich im Rosengarten. Hat der Wetterbericht Regen angesagt, bleibt als angenehmer Treffpunkt die Bibliothek. Dort ist das Reden nicht sonderlich gern gesehen, umso besser und intensiver kann Lisa mit den  Augen sprechen. Sich anschauen, Augenkontakt haben und die Seele ergründen macht Lisa richtig Spaß.

Leon hat den ganzen Heimweg mit sich selbst geredet. Das ist richtig super. Endlich kann er sich alles mal sagen, alles das was er sich noch nie getraut hat. Wie hübsch er sich findet, was für Muskeln er hat und wie gern er mit dem Kleinen da unten spielt. Während er das sagt hat, wird ihm ganz heiß und kribbelig. Leon hat sich vorgenommen, dass mindestens zweimal in der Woche zu machen!

Jessica spricht ebenso gern mit ihren Eltern. Die drei quatschen, lachen und hauen dabei richtig auf den Tisch. Sie gesteht ihnen, dass sie nichts über Verhütung und Küssen weiß. Die Eltern lachen und sagen, dass alles seine Zeit hat. Jessica stimmt in das Lachen mit ein. Nach dem Gespräch geht Jessica in ihr Zimmer, gießt die Blumen und spricht mit ihnen. Sie schaut, ob das Kräuterbüschel gewachsen ist. Sie hat Pfefferminze und Rosmarin angepflanzt. Ganz vorsichtig streckt sie Daumen und Zeigefinger, schwupps ist eins der Blättchen abgezupft. Sie nimmt es in den Mund, kaut genüsslich und spuckt es wieder aus. Gut für den Kreislauf sagt die Mutti.

Justin, Marie, Lisa, Leon und Jessica sind nicht die Einzigen denen es so geht. Es gibt viele mehr.

Buntheit in den Facetten ihres Seins. Sie sind  Klasse und ja, die Alten Besserwisser, zugehörend meine Wenigkeit, haben sie  furchtbar lieb.

Flammendes Kätchen

Fest angebunden steht mein Fahrrad, gehalten durch den Ständer. Atme tief und halt mich am Geländer. Gehe auf Pegasus zu, streichle ihm über Sattel und Stange,lächel seicht, jetzt aber los, es tröpfelt leicht. Schwing mich rauf, trete los und stelle fest, der Ledersattel, hart und unersättlich gibt mir die Sporen. Reibt und reibt, der Wind fährt in mein Kleid

Tropf, tropf dicker Regen, treibt mich voran, schneller, schneller, hier komme ich, ungemäßigt, erwärmt, Frieden im Herzen erglimmen die passiven Masturbationskerzen.