George Michael im Bäckers Café

Ein Versuch ein Gedicht zu schreiben ging schief. Der Stift bewegte sich verkrampft auf dem Papier, ich sitze hier im Bäckers Café und starre aus dem Fenster. Einen Tisch weiter höre ich die Kinder nach Aufmerksamkeit hecheln. Sie wollen, dass ich zu ihnen rüber gucke, doch den Gefallen tu ich ihnen nicht.

Dann plötzlich im Radio das altbekannte Lied. Der Junge stimmt ein, this Christmas i gave you my heart in höchster Engelsstimme. Ich gebe den Kampf auf und drehe den Kopf verhalten in seine Richtung. Die Augen des zehnjährigen glänzen.

George Michael für jede Generation. Das war mir noch nicht klar. Was für eine Erkenntnis, die ich im Bäckers Café erleuchtend sah.

Wer will denn schon ein Schaf als Haustier haben?

Ich habe ein Haustier, ein Schaf, und das macht Mäh, ich muss es durch die Häuser ziehen und es sagt Mäh, es will Gras, nur mehr Gras. Ich sag No, No, No, aber das Schaf wackelt mit dem Po. Ja, ja, ich find’s sowas von krass, das Schaf ist komisch, aber ich mag es trotzdem.

Mein Freund hat einen Löwen als Haustier, aber mein Schaf mag ich trotzdem. Der Löwe ist im Knast, weil er ein Auto gefahren hat. Jetzt sitzt der Löwe im Gefängnis und mein Schaf das ist so nett. Es streckt mir manchmal die Zunge raus und hat es schon mal bei einem Polizisten gemacht, aber weil‘ s noch Null war, hat`s keinen Ärger gekriegt.

Bei Silvester ist mein Schaf voll verrückt, es hängt sich an ne Rakete ran und die Rakete steigt hoch und mein Schaf dabei und dann fällt es vom Himmel runter. Ich sehe es gar nicht mehr, dann landet es auf meinem Kopf. Das ist gar nicht schön, ja ein Schaf. Wer will denn schon ein Schaf als Haustier haben? Na ich, nur ich, ich will ein Schaf!

(Der Kleene hat gedichtet, für alle einen wunderschönen Schafsostergruß)

100 Jahre

Heute ist es soweit, du hast Geburtstag. Deine Haut ist fahl, die falschen Zähne klappern milde. Du kommst nicht hoch aus dem Stuhl, die Beine sind schwer. Tabletten nimmst du, um die Organe in Schwung zu halten. Sie sind die Schmiere die die Glieder schalten und walten.So viel hast du gesehen, so vieles erlebt, die Bomben haben dein Haus gesprengt, so hast du`s mir erzählt. Bist in den Keller gegangen mit deinem Kind, hast angsterfüllt gewartet bis die Krieger die gefährliche Fracht abgeworfen. Du hast es überstanden, überlebt, am liebsten hättest du den Hitler von eigener Hand umgelegt. Du hast die Kinder großgezogen, Enkel kamen in dein Haus und nun schaust du zum Fenster raus. Erfreust dich am Flügelschlag der Vögel, die tagein, tagaus von den Ästen springen, dir den Frühling singen.

Innsbrucker Platz

Am Innsbrucker Platz leuchten die Birnen, nichts ist geschönt, die Moral ist tot, in den Bars regieren die Dirnen. Sie zeigen die strammen Beine, laut reguliert an der Leine, denn der Besitzer ist ein Kettennarr.

Sie machen den Herren aus München und Bamberg schöne Augen, die können es kaum glauben und fühlen sich auf ihre alten Tage richtig attraktiv. Sie tänzeln, heben die Kniescheiben, straffen die Münder, kannst du nicht bleiben, fragen sie.

Kannst du nicht großzügig die Scheine an den Büstenhalter klemmen, flüstern sie dem Oberverwalter der Gerichtsbarkeit verrucht in die Ohren, du musst, sonst hast du hier nichts verloren, nicken sie freundlich hinzu.

Ganz bei der Sache richtet sich die Männlichkeit auf, enthemmt, lustvoll gehen sie drauf los. Schnell vorbei der Spaß, ein Blick in den Terminkalender und Herren eilen davon. Winken verträumt, gestählt, wieder ganz Mann, Innsbrucker Platz denken sie, irgendwann…

Winter is missing

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Looking at you, dancing on ice, like a queen, isn`t it nice? I ask gently grabbing your hand, please take me to a hot sand.

Walking in a snowy world, feeling like a frozen bird. Walking in a snowy world, feeling like a frozen bird.

We are naked crawling on the beach, turning our bodies right to each other, climb we up, drink out of this cup of love.

Walking in a snowy world, feeling like a frozen bird. Walking in a snowy world, feeling like a frozen bird.

You put a snowball at my neck, hey you bloody, i just check, he said charmly with big grin, sweety it won`t take long until we sing that wonderful song.

Walking in a snowy world, feeling like a frozen bird. Walking in a snowy world, feeling like a frozen bird.

 

Ein Improvisationsgesangsworkshop hat mich inspiriert. Ich suche einen oder eine Klavierspielerin mit der ich Lieder selbst geschrieben oder schon bestehendes Liedgut a la chanson bzw. Brecht und Weil style zusammen erklingen lassen kann. Bitte melde dich bei mir!

 

 

 

 

 

 

 

Je suis Charlie

Läufe zielen auf die Humoristen, Islamisten schimpfen sie sich. Radikale die auf die Meinungsfreiheit einen lassen, besser der Griff zu den Waffen.

Minderwertigkeiten, in Armut, aufgewachsen, zum Menschen gereift mit mehr oder weniger Verstand im sogenannten Einwanderungsland. Gründe viele, nichts entschuldigt das Morden der blutrünstigen Horden.

Was bleibt ist der Schmerz, der Mütter und Väter, der Freunde, Brüder und Schwestern, der Blick auf das Gestern als die Leichen den Weg pflasterten.

Im Blutrausch ward und wird gemordet, im Blutrausch für eine Illusion, das Töten für den Propheten, für die seltsame Vision, einer verzerrten Gerechtigkeit.

 

Ich positioniere mich gegen jegliche Form der geistigen Intoleranz und der Beschränkung der Freiheit.

 

Brauner Montag

Sie reihen sich ein die Sachsen, sie wachsen, über sich selbst hinaus in ihrer Hohlheit und Verdummung.

Dogmatisch in jedem Sinne haben sie mit fremden Sitten nichts am Hut. Mitgefühl gilt höchstens dem eigenen Hund.

Die Verfolgten, die Traumatisierten haben keinen Platz in der rechtschaffenen Struktur, sie sind was sie sind eine gesellschaftsfeindliche Kreatur.

Die Waffenlieferung, die Exporte werden abgenickt, Geld fließt in die deutschen Straßen, weit weg das Inferno, können die Sachsen das Grölen nicht lassen.

Die Menschen überqueren die Grenzen, wollen Sicherheit, Frieden für ihre Kinder, einen warmen Platz im Winter.

Braun war das Volk und ist es noch in den Werkstätten der erzgebirgischen Drechsler, den Pirnaischen Baumärkte und den Freitaler Stuben. Braun so braun fließt die Scheiße über den Platz , rufe ich laut beendet die Hatz und schaut den Feind im eigenen Herzen, die Angst und die Gier.

 

(aufgewachsen in Freital bei Dresden, sah und sehe ich den Hang zur Fremdenfeindlichkeit und erlaube mir aus dieser Position die Sachsen zu schelten)

Nachricht

Keine Nachricht, kein Rauchzeichen.

Meine Weichen, die gestellt, in die Richtung gebellt, auf den Weg gebracht, liebesglückend erwacht, den Verlauf der Sonne folgend im Blick. Still gestanden an der Kreuzung wartend, ängstlich kastriert, gleich passiert, gleich rauscht es im Hörer, gleich die Leitung knackt, in den Ohren es trommelt, es laut kracht.

Da kommt nichts, da wird nichts passieren, gleich bleibt die Stille, gleich rauscht der Wind durch die Wipfel. Gleich zieht der Nebel über die Gipfel. Der Rhythmus umgarnt. Das Warten vergebens, es hatte seine Zeit. Tränen drei fließen, hangeln sich traumatisiert in die  Nacht, das Herz klopft, laut aufgelacht, treibt der Motor des Vergessens.

Gänseleben

20140831_112919Sie schnattern, jubilieren, hüpfen aufgeregt auf den Gänsefüßen, sie grüßen lauthals den Herren. Der bringt sie aufs grüne Feld, gibt ihnen Futter, redet auf sie ein, „Husch, husch ihr Gänselein.“

Gleich einem Hund folgen sie aufs Wort, ganz im Vertrauen zu ihm und dem warmen Hort. Im Stall liegt Stroh, wohlgefühlt kehren sie abends in die Behausung, legen sich nieder, eng aneinander geschmiegt, in den Schlaf gewiegt, denken sie nicht an Morgen, schnattern die Traumlieder.

Der Herr sie nicht zum Spaße hält. Dick und rund sieht er sie auf dem Teller platziert zur Weihnachtszeit. Es ist noch weit, noch hin, noch fünf Monate, bis dass das Schlachtermesser gezückt, die lustigen Gänselaute entrückt, verklingen dann im Grau der Dezembernächte.

Ach wären sie nur, hätten sie nur, dem Herren nicht vertraut, auf sich selbst gebaut, auf die Flugkünste, die Überlebenskraft. Ach hätten sie nur die Chance genutzt, wären über den Zaun geflogen, dann könnten sie noch ein wenig länger im Sonnenschein taumeln.