Traffic Berlin

U -Bahn

Es ist Juni und es ist warm. Die Leute sind kurzweilig gekleidet. Sie tragen Tops und kurze Hosen, Miniröcke oder lange Kleider. Ein Mann betritt die U-Bahn mit einem weißgerippten Unterhemd. Die Haare daneben, kräuseln sich auf der nackten Haut. Seine Nacktheit ist ihm egal, er liest gelassen in der Zeitung. Niemand stößt sich an seinem Äußeren und ich denke nur, dass ich auf keinen Fall neben ihm sitzen und in Kontakt mit Haut und Haaren kommen möchte.

Der Obdachlose, der am U-Bahnhof seine Zeitungen verkauft, hat auch die Kleidung und den Haarschnitt verändert. Die Locken hat er abgeschnitten und auch er hat ein graues Unterhemd an. Scheinbar sind Unterhemden diesen Sommer Up to Date.

Auf dem Weg nach Hause springe ich am U-Bahnhof Gesundbrunnen in die S-Bahn, die Signallampe leuchtet rot, ich höre den Ton, der sagt, dass die Tür schließt. Hinter mir springt eine Frau in die Bahn und ein weiterer Mensch. Während des Springens schließt die Tür. Der junge Mann rettet sich in das Abteil, nur klemmt ein äußerer Zipfel seiner Jacke dazwischen. Er zieht daran, doch dieser ist fest verankert. Unumstößlich gefangen zwischen den Türen. Die Bahn fährt los. Der junge Mann schafft es sich zu entkleiden, nun hängt nur noch die Jacke lose herunter. Er glaubt an der nächsten Haltestelle wird sich die Tür öffnen und er kann das kleine Malheur vergessen. Einfahrt Schönhauser Allee. Hier gibt es nicht vier Gleise, sondern nur zwei. Die Türen auf der gegenüberliegenden Seite öffnen sich und die Jacke klemmt noch immer fest. Er ist überrascht, denn er hatte mit einem Wendepunkt gerechnet, mit der Freiheit seiner Jacke, wieder Herr über Hab und Gut zu werden. Er wird unsicher, soll er die Bekleidung zurücklassen oder noch eine Runde mit der Ringbahn fahren, bis er am Bahnhof Gesundbrunnen angelangt ist?

Leider werde ich nie herausfinden welchen genialen Plan der junge Mann in die Tat umgesetzt hat, denn ich bin S-Bahnhof Prenzlauer Allee ausgestiegen.

Marilyn

Unlängst ging ich über einen sehr alternativen und preisgünstigen Trödelmarkt und kaufte ein gerahmtes Plakat von Marilyn Monroe. Die Farbzusammensetzung und der Schriftzug Andy Warhol machten einiges her. Ich hielt das Bild perfekt für den laaaangen Flur meiner Prenzlauer Berg Wohnung. Da hatte ich noch nicht mit dem Kleenen gerechnet, der stark geschminkte Frauen nicht ausstehen konnte, für ihn waren das alles Hexen, die furchterregend wirkten.

Nach einigen Versuchen hatte ich einen Nagel drin und hängte das Bild auf. Es sah absolut gelungen aus, die Stelle war perfekt von einem Bild dieser Größe und sogleich bekam der Flur einen künstlerischen Anstrich. Die herumliegenden Schuhe, Reste von Eintrittskarten, Fahrradhelme und alte Fahrradschlösser, verloren ihre Schlampigkeit durch Marilyn. Ich war absolut zufrieden und fragte den Kleenen nach seiner Meinung.

Er sagte anfangs gar nichts, nach einer Weile meinte er lethargisch auf seinem Bett sitzend, dass er Angst hätte. Der Grund war Marilyn, die direkt in sein Zimmer schaute und gruselig aussah. Die Augen, der Mund, zu über betont, die Haare zu blond. Ich meinte, dass er die Tür zumachen könnte, doch das wollte er auf keinen Fall. Er machte die Tür nie zu, außer es gab triftige Gründe, wie der Geheimbund der Handyspieler traf sich.

Ich versuchte mich in ihn hineinzuversetzen und es gelang mir. Auch ich bekam wahnsinnige Angst vor Marilyn. Sie war das Sexsymbol, die kleine Blonde, die jeden Typen abbekam, sogar den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ich stellte mir vor, wie mein neuer Freund nur noch an ihren Lippen hing und mich keines Blickes mehr würdigte. Ängstlich zitternd nahm ich das Bild ab und stellte es ganz weit weg in eine sehr dunkle Ecke des Flurs.

Nach einigen Tagen holte ich es wieder raus. Es war genug bestraft wurden. Ich brachte es an anderer Stelle an, da wo ich und der Kleene unseren Blick abwenden konnten, da wo man jeden Morgen hineinschaute und sagt hach wäre ich doch im Bett geblieben und hätte etwas Schönheitsschlaf genossen.

Marilyn hängt direkt neben dem Spiegel. Ich weiß wirklich noch nicht, ob das gut oder schlecht ist. Schaue ich besser weg oder vergleiche ich mit mir? Bekomme ich Minderwertigkeitskomplexe oder will ich jetzt ebenso strohblonde Haare? Verscheuche ich meinen neuen Freund und mache mich an den Präsidenten der USA ran? Viele Fragen sind offen und die Erkenntnis daraus ist, dass man auf jeden Fall immer gut überlegen sollte, was man sich an die Wand macht, denn es kann weitreichende Folgen haben.

Deutscher Reisepass

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Im letzten Jahr dachte ich, dass ich 2016 möglicherweise verreisen könnte und vielleicht sogar mal etwas weiter weg. Der Gedanke war schön, zu schön, auch wenn die Moneten Mangelware sind. So tat ich den ersten Schritt und organisierte s-e-h-r langfristig einen Termin beim Einwohnermeldeamt Prenzlauer Berg. Als dann mitten in der Weihnachtszeit der Tag gekommen war, wünschte ich mir vom Weihnachtsmann einen neuen Reisepass. Heute habe ich ihn abgeholt.

Bitte schauen Sie rein und bei vollster Zufriedenheit unterschreiben Sie“, sagt der Mann mit dem lässigen Karohemd.

Mutig überprüfe ich die Daten. Das Foto habe ich mit dem linken Augen gesichtet. So in Plastik verpackt, sehe ich nicht mehr sonderlich attraktiv aus. Die Modellzeiten sind vorbei, die naive Jugendlichkeit dahin, übrig bleibt eine fiese Fresse. Nicht, dass ich es so gewollt hätte, nein, es ist Bedingung. Der deutsche Bürger mutiert auf seinem Ausweis zu einem Gefängnisinsassen. Er wird als Gefahrenträger deklariert. Symbolträchtiger kann es wohl kaum sein. Der Überwachungsstaat will uns nicht gut aussehen lassen. Ich lasse mich nicht beirren und denke, gut, so ist es eben, die Zeiten haben sich geändert. Mit einem deutschen Reisepass kann ich heute niemanden mehr beeindrucken außer ein paar ein-reiselustige Terroristen. Ob denen solch ein fieser Blick mit ebenso gespannten Mundwinkeln gelänge, ist fraglich. Außerdem bin ich eine Frau. Bisher habe ich noch nie von verkleideten Terroristen gehört oder Terroristinnen, die sich die Haare blond färben.

Im Großen und Ganzen bin ich trotzdem froh, dass ich nun die einstweilige Besitzerin bin und es hoffentlich auch bleibe. Bisher habe ich keinen deutschen Reisepass aus der Hand gegeben. Sogar die guatemaltekische Verbrecherbande, der ich vor vielen Jahren in die Hände geriet, gab mir diesen anständig zurück. Das Geld behielten sie ein, doch das ehrbare Dokument lag wohl, wie glühende Kohlen in ihren Fingerspitzen. Auch der Junkie aus Granada konnte nicht ungehindert mein zweites Ich stehlen. Nach einer wahnwitzigen Verfolgungsjagd zog er den Kürzeren.

Langsam begreife ich. Der deutsche Reisepass verbreitet keinen Spaß, jedoch ist das papiergebundene Ich ein Schutzwall, eine Rüstung in den unendlichen Weiten der Welt. Der deutsche Reisepass in der Brusttasche hält jede lebensbedrohlich Kugel ab. Erkenntnisreich gehe ich anschließend zur Kinderärztin. Ich verweile im Wartezimmer. Ich bekomme mit, wie ein gutmütiger Prenzelbergvater von seinem fünfjährigen Sohn verprügelt wird. Fast möchte ich dazwischen springen und den 1,90 großen Mann verteidigen. In der Hand habe ich das Dokument der Bundesrepublik Deutschland. Der Mann kommt mir zuvor, in dem er schmerzverzerrt sein Kind aus dem Wartezimmer schiebt.

Badesee

 

Bälle geworfen, an den Kopf der schwimmenden Badefreunde. Die Jugend tobt sich aus, springt, rennt, qualmt die Stengel, imponiert, breitet die Brust, kennt nur die eigene Lust. Mit nassen Füßen über die Decken der anderen, die Mädchen ins Wasser geschubst, kreischt sie, johlt er, verdrehen die Walrösser die Augen. Ihre Zeit vorüber, schnauben sie die Nüstern. Jede Bewegung anstrengend strecken sie vorsichtig die Füße ins Nass, ziehen zurück, zu kalt der Spaß. Zwischendrin die Kleinen mit den Plastikschaufeln, Eimern, arbeitsam, willentlich, tröpfeln sie den Dreck, formen die Spitze, quietschen ebenso laut, wenn das Nachbarskind den Sand klaut. Hitze, Sonnenstrahlen, Menschenmenge eng gerückt, zugleich entzückt vom sonntäglichen Badespaß.

Syrischer Spion

 

Zwei wurden gefasst, die anderen Tausend laufen incognito durch die Straßen von Berlin. Augenzeugen berichten, die Anpassung der Spione an die deutschen Gewohnheiten ist strategisch geschickt, gewollt und fast unaufdeckbar. Sie haben sich den Traditionen verschrieben, auswendig gelernt, auf den Hosenboden gesetzt und ihre Hausaufgaben gemacht. Sie sind ein Fass ohne Boden. Manchmal aber, splittert das nicht nach deutschem Reinheitsgebot hergestellte Spanplattenfass. Verwechselt der syrische Spion seine Tätigkeit damit, anstatt Informationen zu beschaffen mit  Informationen oder Informanten zu beseitigen wird er möglicherweise von der deutschen Justiz in Gewahrsam genommen. Nur dann, wenn er seinen Deckmantel ein wenig gelüftet , seine Maskerade einen Riss bekommen, ja dann muss sich der syrische Spion vor den Spionen des Verfassungsschutzes in acht nehmen. Vielleicht muss er sich sogar vor sich selbst beschützen, denn möglicherweise gehört er einerseits zu den regierungstreuen Kräften eines Regimes an einer ganz anderen Ecke der Welt und andererseits ist er Teil des deutschen Verfassungsschutzes. Dieser hat sich nicht lumpen lassen, wiederholt angesetzt mit kluger Überredungskunst und diplomatischen Geschick. Plauener Spitze, Meisner Porzellan und ein Mercedes der A Klasse. Er hat sich mit Händen und Füßen gewehrt. Die Zu Hause wollten das Geklöppelte und er den Wagen. Außerdem war das mit dem Regime abgesprochen. In einem Telefonat hatte der zuständige syrische Abschnittsbevollmächtigter ihm grünes Licht gegeben.

Doch nun, hier und heute an einem grauen kalten Januartag muss er spionieren, mitten auf dem Alexanderplatz. Er hatte sich das Kostüm übergeworfen, den Rollatur an die Hand genommen und das elende Futter für die unnützen Viecher eingepackt. Den Kragen hochgeschlagen und die Mütze über die wulstigen Brauen gezogen. Unablässig sichtet er den Platz, doch wie zu erwarten erblickt er nichts auffälliges bis ihn auf einmal ein Energiestrahl von hinten streift. Sind Außerirdische auf ihn gestoßen, Journalisten, deutsche Juristen, die leider nicht zu den Freundschaftstreffen des V- Schutzes kommen. Wird er möglicherweise fotografiert, seine politisch wichtige Arbeit auf einem Dokument festgehalten? Er dreht sich um. Niemand ist zu sehen. Nichts…., alles nur ein dummer syrischer Gedanke. Er fährt fort mit Tauben  füttern, ihnen zur Abwechslung auf die Krallen latschen und natürlich mit dem was er richtig gut kann, mit spionieren.

Miniworks 2

Miniworks 2/ Kunstauktion im Schillerpalais in Neukölln.

Werbung in eigener Sache.  Am 1. 12 nehme ich mit einem Ölgemälde „Legless“ bei der Miniworks Auktion teil.

Also wer von den Berlinern und Nichtberlinern gern Kunst kauft, greift in die Taschen und bietet mit. Es gibt insgesamt 50 Werke.

Beginn ist der  1.12.  19.00 Uhr
Ab dem Abend werden Gebotszettel mit der Werknummer auf das zu bietende Werk, der Betrag und der Käuferkontakt auszufüllen sein. Dies gilt bei Abgabe als bindend und wird als Höchstgebot angesehen bis ein höheres Gebot für dieses Werk abgegeben wird.
Das jeweilige Höchstgebot für alle Arbeiten ist über eine Wandprojektion jederzeit einsehbar, sowie wird eine stets aktuelle Online-Version der Auktion auf der Webseite des Schillerpalais bereit gestellt. Das heisst, es können auch Email-Gebote abgesendet werden.

Während/Nach dem Aufbau wird es eine kleine Eröffnungsrede geben und die Bar eröffnet (Kühle Getränke / Glühwein + heisser Eintopf und Muffins)
Danach gibt es Live-Musik von KiSeki gegen 20:30-21:00 Uhr

Die Finissage findet am Freitag, 16.12. statt. Bis 20:00 Uhr an diesem Tag können vor Ort und online Gebote abgegeben werden. Danach stehen die endgültigen Höchstgebote fest, die versteigerten Arbeiten, können von den Käufern direkt mitgenommen werden. Die Bezahlung der Käufer erfolgt in der Regel in bar.

Veranstaltungsort:

Schillerpalais e.V.

Kunst- und Aktionsraum
Schillerpromenade 4
12049 Berlin
Tel: 030- 62 72 46 70/ -71/ -73
Fax: 030- 62 72 46 74
http://www.schillerpalais.de