Schneelandschaften

 

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In Sachsen ist Winter. Am letzten Wochenende hatte es geschneit, dreißig Zentimeter. Die Fahrt von Berlin nach Dresden gab ein zunehmend verändertes Landschaftsbild wieder. Ab dem Spreewald bedeckte der Schnee zart die Wiesen und Felder. Zunehmend verdichtete sich das Weiß im Dresdner Raum und die Dächer und Kuppel der orthodoxen Kirche wirkten märchenhaft.

Kurz nach der Ankunft und dem traditionellen Kaffeetrinken hieß es raus in den Schnee. Der Kleene der mittlerweile im Teenageralter ist, verweigerte sich aus Unwissen und obligatorischen Trotz gegen eine Schneehose und gute Winterschuhe, die etwas mehr abhielten, als die modischen Sneakers. Das Unheil blieb nicht aus, der Schnee suchte sich seinen Weg in die Schuhe. Er jammerte ein wenig, versuchte den Schnee zu entfernen, wünschte einen Schuldigen zu finden, jammerte wieder. Irgendwann gab er auf, vergaß die Nässe und gab sich ganz dem Schnee hin. Zusammen mit den Kindern meiner Schwester fuhren wir durch die beginnende Nacht. Wir ließen uns nicht aufhalten, der Schnee leuchtete blau, die Hügel zogen sich sanft hin und die Schanze am unteren Ende der Rutschbahn forderte akrobatische Sprünge ein. Das Kinderschreien mischte sich mit der unglaublichen Stille. Der Schnee verschluckte den Lärm, machte aus einem unruhigen einen friedlichen Tag.

Zum Abend schlief der Kleene vor dem Fernseher ein. Der Schnee hatte ihn schläfrig gemacht, er hatte ihn mit seiner Schönheit ummantelt. Ich schlug am Ende des Tages Träumen von Karl Ove Knausgard auf und begab mich in die sentimentalen Beschreibungen der norwegischen Landschaft. Doch nicht lang und ich wurde in die Ernsthaftigkeit des Lebens zurückgeschleudert. Knausgard schrieb im letzten Abschnitt des Buches von dem Tod des Vaters, dem Rückzug von seiner Ehefrau und der Untreue. 

Der Tag war voller Schönheit und Spannung, der Schnee des Vergessens und das Aufgeschreckt werden mit Karl Ove Knausgard, der das Leben in seiner ganzen Klarheit beschreibt.